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Fachgerechte Ausführung von Anschlussfugen mit elasto- plastischen Dichtstoffe
 
     Immer wieder werden in Ausschreibungen Forderungen gestellt,
     Fugen zwischen Beplankung und angrenzenden Bauteilen „dauerelastisch“
     mit „überstreichbaren“ spritzbaren Dichtstoffen z.B. Acrylaten  auszuspritzen.
 
     Die Bezeichnung „dauerelastisch“ kann in die Irre führen, denn diese Dichtstoffe
     können im Laufe der Zeit durch Temperatur- und/oder Lichteinwirkung altern und
     infolge dieses Alterungsprozesses spröde werden und reißen.
     Daher sind sie etwa alle 3-4 Jahre zu erneuern und werden nicht
     umsonst als „Wartungsfugen“ bezeichnet.
 
     Nur bei korrekter und fachgerechter Ausführung ist die Dichtmasse in der Lage,
     die Bewegungen (Druck-, Zug-, Scherbeanspruchung) in der Fuge schadlos
     aufzunehmen. Wesentliches Merkmal einer fachgerechten Ausführung ist
     die 2-seitige Flankenhaftung. Der Dichtstoff darf also keine Haftung zum
     rückseitigen Wandprofil bzw. Wandwinkel aufweisen.
     Hierzu kann ein geeigneter Trennstreifen wie z.B. ein wasserfestes Malerband
     verwendet werden (siehe Abb. 1).
     Die Haftung der Dichtmasse darf vielmehr nur zwischen Gipsplattenkante und der
     flankierenden Wand vorliegen.
 
Acrylfuge.PNGAngspachtelt.PNG
 
     Beispiel: Bei Verwendung einer Acryl - Füllmasse mit 10% Dehnfähigkeit muß
     eine Fuge 50 mm breit sein, um 5 mm Bauteilbewegung aufnehmen zu können:
     Eine 10 mm breite Acrylfuge kann demnach sogar nur
     max. 1 mm Bewegung aufnehmen.
     Eine geeignete Füllmasse aus Silikon mit 25% Dehnvermögen ermöglicht
     bei einer 10 mm breiten Fuge entsprechend immerhin 2,5 mm Bauteilbewegung.
 
     Bedenkt man weiter, dass in der Praxis häufig nur 5-8 mm breite Fugen ausgeführt
     werden, so ergeben sich bei der Verwendung von Acryl-Dichtstoffen aufnehmbare
     Bauteilbewegungen von nur 0,5 mm bis 0,8 mm.
 
     Sofern Acrylfugen mit Dispersionsfarben überstrichen werden, ist auf Grund des
     unterschiedlichen Dehnvermögens von Füllstoff und Anstrich,
     mit einer Rissbildung [sog. Adhäsionsrissen] in der Farbbeschichtung zu rechnen.
     Da Acryl nur bedingt überstreichbar sind.
     Diese Rissbildung stellt keinen Produktmangel dar, der die Funktionsfähigkeit
     der Fuge beeinträchtigt, trotzdem wird dieser optische Mangel häufig vom
     Auftraggeber beim Verarbeiter bemängelt.
 
     Bei Silikonfugen ist weiterhin zu beachten, das Silikone für das Überstreichen mit
     Farbe ungeeignet sind und in der Regel daher eher in gefliesten Bereichen
     z.B. häuslichen Bädern zum Einsatz kommen.
 
     Bei Tapezierarbeiten gilt nach DIN 18366: Bewegungsfugen dürfen nicht
     übertapeziert werden. Um dieser Anforderung gerecht zu werden darf also die
     Tapete nicht über „elastische" Verfugungen geklebt werden.
 
     Die sogenannte „Daumenfuge/ Dreiecksfugen" - also dass nahezu dichte
     Anschließen der Beplankung an die angrenzenden Bauteile und das nachträgliche
     nur äußere Abdichten mit einer Dichtstoff Hohlkehle – kann schlichtweg nicht
     funktionieren. Sie genügt lediglich optischen oder kosmetischen Ansprüchen.
 
     Wegen der aufgezeigten Problematik empfiehlt es sich Anschlüsse mit
     Fugenspachtelmassen. Diese Anschlüsse ermöglichen bei fachgerechter
     Ausführung eine kontrollierte Rissbildung (Haarriss) nach DIN18340 zu
     angrenzenden Bauteil und funktionieren dauerhaft wartungsfrei (siehe Abb. 2).
 
 
Quellen: 1. Trockenbauhandbuch; Frickell, Hofmann, Winkler 5. Auflage, Ausgabe 2001 2. Trockenbau Atlas; Becker, Pfau, Tichelmann, Ausgabe 1996 3. Henkel Beratungsblatt Fugenabdichtung im Trockenbau mit spritzbaren Dichtstoffen; Ausgabe 03.02.2004 4. Rigips Verarbeitungsrichtlinien